Digitalisierung beginnt nicht mit Software. Sie beginnt mit Post-its.
Von Michael Nauditt · · 2 Min. Lesezeit
Digitalisierung beginnt nicht mit Software. Sie beginnt mit Post-its.
Vergangene Woche hatten wir wieder eine Digitalisierungs- und Prozessberatung bei einem erfolgreichen Startup in Darmstadt. Ein Raum, das Team, spürbare Energie. Diskussionen über Prozesse, Aufwände und Digitalisierungspotenziale. Geführt mit Stift und Post-its.
Warum das analoge Format die ehrlichsten Prozessbilder erzeugt
Was mich dabei jedes Mal fasziniert: Genau dieses Format erzeugt die ehrlichsten Prozessbilder. Wer ein Post-it an die Wand klebt, muss sich festlegen. Wer es verschiebt, diskutiert.
Die Digitalisierung lief parallel leise mit: alle Diskussionen als Audio aufgezeichnet, jeder Board-Stand fotografiert. Am Abend hatte das Team ein komplettes Prozesshandbuch der Abteilung. Alle Gesprächsinhalte digitalisiert, visualisiert und priorisiert. Und eine klare Landkarte, wo welcher Hebel wirkt.
Standardisieren, digitalisieren — und erst dann KI
Manche Prozesse muss man nur standardisieren. Manche digitalisieren. Und erst dann kommt KI, dort, wo sie echten Mehrwert hebt.
Wer mit „Wir machen jetzt alles mit KI“ startet, überspringt die ersten beiden Schritte. Das rächt sich später doppelt. Dieselbe Reihenfolge — Prozesse klären, Anwendungsfall definieren, Datengrundlage schaffen, dann das Modell — beschreibt Thimo Keller in Vier Fragen, bevor ein KI-Projekt in der Fertigung startet.
Für die Werkerführung heißt das ganz konkret: Die Post-it-Wand ist die Vorstufe der Arbeitsanweisung. Was dort als Ablauf festgehalten wird, ist später das Dokument, aus dem die KI den Entwurf der Werkerführung baut — und das Ihr Meister freigibt. Wer den Ablauf vorher nicht ehrlich aufgeschrieben hat, bekommt auch am Terminal keinen ehrlichen Ablauf. Warum das Terminal am Ende beides können muss, Anweisung und Rückmeldung, steht in Der Laufzettel muss weg.
Es war ein richtig guter Tag, und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit einem weiteren Kunden. Und ja, es gibt einen scheinbaren Widerspruch zu meinem Rat, dass Entscheider zuerst vier Wochen mit KI spielen sollten. Er löst sich auf: Spielen schärft das Vorstellungsvermögen dafür, was geht. An der Wand entscheidet sich dann, wo es sich lohnt.
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Über Michael Nauditt
Geschäftsführer · FLUX Systems GmbH
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Mittwoch, 23. September 2026, 11:00 Uhr
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