Werkerführung und BDE am Terminal

BDE-Terminal-Redesign: Erst die Menschen, dann die Startpunkte, dann die Oberfläche

Von Martin Thorn · · 4 Min. Lesezeit

Wir starten das Redesign unseres BDE-Terminals — und diesmal wollen wir den Weg dorthin nicht erst am Ende zeigen, sondern während er entsteht. Warum wir das überhaupt tun, obwohl die bestehende Oberfläche bei unseren Kunden gut angenommen ist, steht in Operator Experience: Der unterschätzte Produktivitätsfaktor im MES. Hier geht es um die ersten Schritte.

Schritt eins: Personas

Bevor wir eine einzige Oberfläche verändern, wollten wir wissen, wer eigentlich vor den Bildschirmen arbeitet. Dafür haben wir über mehrere Industrieunternehmen hinweg Beobachtungen durchgeführt. Kein Fragebogen, sondern der Versuch, das tatsächliche Verhalten nachzuzeichnen. Am Ende sind zwei Personas entstanden.

Ein Beispiel: Andrea, 41 Jahre, Schichtleitung. Zwölf Jahre im Unternehmen, Verantwortung für mehrere Linien gleichzeitig. Ihr Arbeitsplatz ist ein Mehrmonitor-Leitstand, selten das Terminal selbst. Ihr Alltag ist der ständige Wechsel zwischen Gesamtüberblick und Einzelbuchung. Ihr Anspruch: Geschwindigkeit und Dichte, nicht Einfachheit. Ihr Frustpunkt: Eine Oberfläche, die für Einsteiger am Terminal reduziert ist, bremst sie an ihrem eigenen Arbeitsplatz aus — etwa wenn Filter, Mehrfachauswahl oder Tastaturbedienung fehlen.

Damit die Personas nicht im luftleeren Raum stehen, haben wir sie in drei Oberflächenklassen eingeordnet: Desktop Workplaces (Maus und Tastatur für Auswertungen und Planung), Floor Stations (Touch und wechselndes Licht für Terminal und Werkerführung) und Ambient Dashboards (passiv mitlaufende Übersichten auf großen Bildschirmen).

Genau der Kontrast zwischen Andrea und einer klassischen Terminal-Persona hat zwei Erkenntnisse deutlich gemacht. Erstens: Die Bedürfnisse einer Desktop-Persona und einer BDE-Persona unterscheiden sich deutlich, nicht nur graduell. Was am Schreibtisch als übersichtlich gilt, überfordert am Terminal — und umgekehrt wirkt eine radikal reduzierte Terminal-Oberfläche am Schreibtisch zu leer. Zweitens: Dashboards als eher passive Oberflächen gehen bei der Persona-Betrachtung leicht unter, weil niemand aktiv mit ihnen interagiert. Genau deshalb haben wir sie bewusst mitgedacht.

Schritt zwei: Warum wir erst die Startpunkte gesucht haben

Nachdem wir die Personas auf die Oberflächenklassen bezogen hatten, blieben wir bei der Entscheidung, dass das BDE-Terminal unser erstes Redesign-Projekt sein wird. Der erste Schritt stand nach einem kurzen Brainstorming fest: den Weg der Nutzer durch das BDE-Terminal durchspielen.

Schon früh haben wir gemerkt, dass es nicht „den“ einen Weg geben wird. Also haben wir eine Stufe davor eingezogen und zunächst die unterschiedlichen Startpunkte herausgearbeitet, an denen man mit dem Terminal in Berührung kommen kann.

Mit oder ohne Mitarbeiteranmeldung: Je nachdem, ob sich die Person am Terminal identifiziert, verändert sich der gesamte weitere Ablauf. Ein- oder Mehrmaschinenbedienung: Wer eine Maschine bedient, braucht andere Wege als jemand, der mehrere Maschinen gleichzeitig im Blick behält. Mit oder ohne integrierte Werkerführung: Läuft die Führung durch den Arbeitsschritt im selben Terminal mit, oder ist das BDE-Terminal davon getrennt? Diese letzte Frage ist dieselbe, die Der Laufzettel muss weg aus Sicht des Betriebs stellt.

Aus diesen Startpunkten ließen sich grob drei User Flows ableiten. Sie helfen uns im nächsten Schritt dabei, Haupt- und Nebenbedienfunktionen zu identifizieren. Es gab weitere Startpunkte, aus denen sich kein eigener Ablauf ableiten ließ. Trotzdem sind sie nicht umsonst gesammelt worden: Sie geben uns einen guten Anhaltspunkt dafür, welche Inhalte am BDE-Terminal künftig fix und welche dynamisch sein werden.

Ein Detail am Rande: Anmeldung an einem Wandbildschirm ohne Tastatur

Wie meldet man sich an einem Wandbildschirm an, der keine Tastatur hat? Wir haben das erst als Bilderfolge durchgespielt, dann gebaut. Am Beispiel eines Hallendashboards haben wir den Device-Flow-Login Schritt für Schritt durchgespielt: vom Kiosk-Browser über den QR-Code auf dem Wandbildschirm bis zur Anmeldung auf dem Smartphone.

Erst wenn dieser Ablauf als Bilderfolge steht, wird sichtbar, wo Reibung entsteht und wo Erklärungsbedarf besteht — lange bevor die erste Zeile Code geschrieben ist. Das hat einen Nebeneffekt: Eine solche Bilderfolge lässt sich hervorragend mit Kunden durchgehen. Man muss keine Fachsprache erklären, man zeigt einfach, was der Nutzer als Nächstes sieht und tut.

Was wir in der UX heute User Journey nennen, ist im Kern nichts anderes als ein Storyboard. Die Technik stammt aus den frühen 1930er-Jahren von den Walt Disney Studios, wo Storyman Webb Smith begann, einzelne Szenen auf Papier zu skizzieren und der Reihe nach an eine Pinnwand zu heften. Was einmal half, Zeichentrickfilme zu planen, hilft heute dabei, digitale Abläufe zu planen.

Wie es weitergeht

Im nächsten Schritt bauen wir die ersten echten Mockups und lassen sie von unseren Kunden reviewen. Über die Ergebnisse berichten wir hier weiter. Wie das Terminal im Zusammenspiel mit Werkerführung und Maschinendatenerfassung funktioniert, beschreibt Composable, aber nicht isoliert.

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Über Martin Thorn

Head of Product and Strategy, Co-Founder · FLUX Systems GmbH

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