Gastbeitrag · AssistIng GmbH · Führung und Akzeptanz

Erlauben ist nicht Befähigen: Warum KI-Nutzung Führung braucht

Von Dr.-Ing. Thimo Keller · · 3 Min. Lesezeit

Wer stärker auf KI setzt, ist in den vergangenen Jahren deutlich produktiver geworden.

Zehn Punkte mehr Nutzung, zwei bis fünf Punkte mehr Wachstum

Das zeigt eine aktuelle Studie: Zehn Prozentpunkte mehr Nutzung gehen mit zwei bis fünf Prozentpunkten mehr kumuliertem Produktivitätswachstum einher (für Europa, 2019 bis 2024). Die Untersuchung hat Beschäftigte in sieben Ländern nach identischem Muster befragt. Einen Kausalitätsnachweis liefern die Autoren ausdrücklich nicht — aber angesichts des seit Jahren schwachen Wachstums in weiten Teilen der deutschen Wirtschaft ist der Befund kein akademisches Detail.

Die Nutzung von KI ist zwischen den Ländern höchst unterschiedlich verteilt. Amerikanische Beschäftigte nutzen KI in ihrem Arbeitsalltag rund dreimal so oft wie deutsche, obwohl beiden dieselben Modelle zur Verfügung stehen.

Eine einzige Variable erklärt 80 Prozent der Lücke

Ein Teil dieser Lücke ist wenig überraschend. Eine erste Analyse, die nur strukturelle Unterschiede betrachtet — jüngere Mitarbeitende, andere Betriebsgrößen, eine andere Branchenzusammensetzung —, erklärt rund 55 Prozent.

Der interessantere Befund stammt aus einer zweiten, davon unabhängigen Analyse. Sie bezieht zusätzlich eine einzige betriebliche Praxis ein: ob Arbeitgeber den KI-Einsatz aktiv fördern, Werkzeuge bereitstellen und schulen. Diese eine Variable erklärt darin allein 80 Prozent der gesamten Nutzungslücke — ein Beleg dafür, wie stark Betriebsstruktur und aktive Förderung in der Praxis zusammenhängen, nicht dass sich beide Erklärungen addieren.

Die Zahlen dahinter sind deutlich. Ohne aktive Ermutigung nutzen Beschäftigte KI in rund 10 Prozent der Fälle. Mit aktiver Ermutigung in 47 Prozent.

Die Lage in Deutschland

Das deckt sich mit der Lage hier. Laut einer ZEW-Erhebung vom Frühjahr 2026 verbieten nur 4 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft und 8 Prozent im verarbeitenden Gewerbe den Einsatz generativer KI. Die große Mehrheit erlaubt sie, steuert sie aber kaum.

Erlauben ist eben nicht dasselbe wie befähigen.

Für Unternehmen heißt das: Die entscheidende Frage ist nicht, ob Mitarbeitende theoretisch Zugriff auf ein Sprachmodell haben, sondern ob die Einführung aktiv organisiert wird — mit Werkzeugen, Schulung und einer klaren Erwartungshaltung aus der Führung. Wo diese Erwartungshaltung in der Fertigung tatsächlich entsteht, nämlich bei Meistern und Schichtleitern, beschreibt Wer entscheidet, ob ein Terminal genutzt wird?. Und was Befähigung für die Geschäftsführung selbst bedeutet, sagt Michael Nauditt in Vier Wochen spielen ziemlich direkt.

Quellen: Alexander Bick, Adam Blandin, David Deming, Nicola Fuchs-Schündeln, Jonas Jessen: „Mind the Gap: AI Adoption in Europe and the U.S.“, NBER Working Paper Nr. 34995, 2026. ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung: Unternehmensbefragung Informationswirtschaft, Frühjahr 2026 („Kaum Unternehmen verbieten KI-Einsatz“).

Weiterlesen im Original

Über Dr.-Ing. Thimo Keller

Gründer · AssistIng GmbH

Profil auf LinkedIn

Gastbeitrag. Dr.-Ing. Thimo Keller berät produzierende Unternehmen unabhängig bei Digitalisierung und KI und ist Partner von FLUX in der Webinar-Reihe.

AssistIng besuchen

Nicht die KI scheitert. Die Führung tut es.

Eine RAND-Studie mit 50 Praktikern aus über 50 Organisationen: 84 Prozent der Fehlerursachen in KI-Projekten liegen bei Entscheidungen der Geschäftsführung, nicht bei Technik oder Datenqualität. Die zwei häufigsten Fehler.

Alle Beiträge · Zur Produktseite Werkerführung · Demo anfragen