Der wichtigste Datenspeicher im Werk geht in zwei Jahren in Rente
Von Michael Nauditt · · 2 Min. Lesezeit
Der wichtigste Datenspeicher in vielen Werken geht in zwei Jahren in Rente.
Er weiß, warum die Anlage so läuft, wie sie läuft. Aufgeschrieben ist das nirgends. Das wertvollste Dokument der Fertigung existiert nicht.
Fünfzig Jahre Fertigungskompetenz — nicht kopierbar, aber auch nicht gesichert
Jochen Sengpiehl, bis Juni 2025 bei Volkswagen, zuletzt Marketingchef in China, sagt im Podcast mit Paul Ronzheimer: Unser Vorsprung sind fünfzig Jahre Fertigungskompetenz im Mittelstand, nicht schnell kopierbar.
Stimmt. Und hier wird es unangenehm: Keiner, auch keine KI, wertet Daten aus, die niemand erhoben hat.
Erheben braucht ein System. Ein System braucht eine Entscheidung. Und die dauert bei uns oft 18 Monate. In der Zeit geht der Kollege in Rente.
Drei Gründe, alle organisatorisch
Sengpiehl nennt drei Gründe: keine Kennzahl, keine Befugnis, keine Vorstandsagenda. Geschwindigkeit müsse eine Kennzahl werden, wie Umsatz und Marge. Dass die Ursachen gescheiterter Digitalisierung überwiegend in der Führung liegen und nicht in der Technik, zeigt auch die RAND-Studie, die Thimo Keller in Nicht die KI scheitert. Die Führung tut es. auswertet.
Ich gehe weiter. Entscheidungen in der Digitalisierung gehören in Tage, nicht in Monate. Eine Linie, eine Kennzahl, sechs Wochen bis zur ersten echten Zahl.
Was das mit Werkerführung zu tun hat
Das Wissen des Kollegen steckt in dem, wie er einen Auftrag anfährt, worauf er beim Rüsten achtet, welche Störung er wie behebt. Genau das ist der Stoff einer Werkerführung: Anweisung, Prüfschritt, Störgrund — am Prozessschritt, verknüpft mit Auftrag, Variante und Arbeitsplatz. Wer das einmal erfasst hat, hat es auch dann noch, wenn der Kollege nicht mehr da ist. Wie Anweisung und Rückmeldung dabei in einem Durchlauf entstehen, steht in Der Laufzettel muss weg. Und warum das Erfassen selbst schon die Verbesserung ist, nicht erst die KI danach, beschreibt Digitalisierung ist kein Vorspiel für KI.
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Über Michael Nauditt
Geschäftsführer · FLUX Systems GmbH
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Dr.-Ing. Thimo Keller · · 2 Min. Lesezeit · Gastbeitrag
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Mittwoch, 23. September 2026, 11:00 Uhr
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